Wasser ist kostbar – gemeinsam unsere Lebensgrundlage schützen!
Warum unser Grundwasser unter Druck gerät
Wasser gehört zu den wertvollsten natürlichen Ressourcen überhaupt. Es scheint oft selbstverständlich: Wir drehen den Wasserhahn auf und sauberes Trinkwasser fließt jederzeit in bester Qualität. Doch diese Selbstverständlichkeit ist keine Naturgegebenheit. Sie setzt voraus, dass sich unsere Grundwasservorräte dauerhaft erneuern können – und genau dieser natürliche Kreislauf gerät auch durch den Klimawandel zunehmend aus dem Gleichgewicht.
Grundwasser entsteht nicht über Nacht. Regen- und Schmelzwasser versickern langsam durch verschiedene Bodenschichten und werden dabei auf natürliche Weise gereinigt. Dieser Prozess funktioniert jedoch nur, wenn ausreichend Niederschläge fallen und genügend Wasser tatsächlich im Boden versickern kann.
Die vergangenen Jahre zeigen jedoch eine deutliche Entwicklung: Längere Trockenperioden, steigende Temperaturen und häufigere Starkregenereignisse verändern den Wasserhaushalt erheblich. Während Starkregen große Wassermengen innerhalb kurzer Zeit bringt, kann der ausgetrocknete Boden diese oftmals kaum aufnehmen. Statt zu versickern, fließt das Wasser oberirdisch ab und gelangt in Bäche und Flüsse. Für die Neubildung des Grundwassers steht es dann nur eingeschränkt zur Verfügung. Selten werden dagegen dauerhafte Nieselregen und ergiebige Schneefälle. Doch sie sorgen für eine stetige und flächendeckende Versickerung.
Gleichzeitig steigt der Wasserbedarf. An heißen Sommertagen werden Gärten bewässert, Pools befüllt oder Rasenflächen gesprengt. Zunehmende Flächenversiegelung durch Bebauung, Straßen und private Flächen verschärfen die Situation. Auch Industrie, Landwirtschaft und moderne Infrastrukturen wie Rechenzentren haben einen wachsenden Wasserbedarf.
Jede einzelne Nutzung mag für sich betrachtet nachvollziehbar sein. In ihrer Summe erhöhen sie jedoch den Druck auf unsere Wasserressourcen – insbesondere in längeren Trockenphasen.
Die Folge ist eine doppelte Belastung: Weniger Wasser gelangt in die Grundwasserspeicher, während gleichzeitig mehr Wasser entnommen wird.
Jede und jeder Einzelne kann einen Beitrag leisten
Ein nachhaltiger Umgang mit Wasser beginnt nicht erst in Zeiten einer Versorgungskrise. Jeder einzelne Haushalt kann dazu beitragen, unsere Wasserressourcen langfristig zu sichern. Dabei geht es nicht darum, auf Lebensqualität oder Hygiene zu verzichten, sondern kostbares Trinkwasser nur dort einzusetzen, wo es wirklich benötigt wird.
Bereits kleine Veränderungen im Alltag können große Wirkung entfalten:
- Duschen statt Baden spart erhebliche Mengen Trinkwasser.
- Den Wasserhahn beim Zähneputzen oder Einseifen schließen.
- Geschirrspüler und Waschmaschine möglichst nur voll beladen betreiben und sog. „ECO-Programme“ wählen.
- Tropfende Wasserhähne und undichte Toilettenspülkästen zeitnah reparieren.
- Den Garten möglichst in den frühen Morgen- oder Abendstunden bewässern, damit weniger Wasser verdunstet – Regenwasser nutzen.
- Auf häufiges Rasensprengen verzichten – viele Pflanzen kommen mit Trockenphasen besser zurecht als vermutet; oder beim Neuanlegen eines Gartens auf trockenresistentere Arten ausweichen, sowie auf ökologisch wertvolle Pflanzen umsteigen (Moose, Stauden, etc.).
Besonders wichtig ist der bewusste Umgang mit hochwertigem Trinkwasser. Nicht jede Nutzung erfordert Wasser in Trinkwasserqualität.
Gebrauchtes Wasser sinnvoll weiterverwenden
Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel. Deshalb sollte es möglichst nur dort eingesetzt werden, wo seine hohe Qualität tatsächlich erforderlich ist.
In vielen Bereichen lässt sich Wasser mehrfach nutzen. So kann beispielsweise das beim Waschen von Obst oder Gemüse anfallende Wasser zum Gießen von Blumen verwendet werden. Auch aufgefangenes Regenwasser eignet sich hervorragend für:
- die Gartenbewässerung,
- das Gießen von Balkonpflanzen,
- Reinigungsarbeiten im Außenbereich,
- oder – bei entsprechender technischer Ausstattung – sogar für die Toilettenspülung.
Jeder Liter Wasser, der mehrfach genutzt wird, entlastet die natürlichen Ressourcen.
Weniger Schadstoffe – besser für Gewässer und Grundwasser
Wassersparen bedeutet nicht nur, weniger Wasser zu verbrauchen. Ebenso wichtig ist es, das Wasser möglichst wenig zu belasten.
Alles, was über Waschbecken, Toilette oder Abfluss entsorgt wird, gelangt zunächst in die Kanalisation und anschließend in die Kläranlage. Moderne Kläranlagen leisten Enormes, können jedoch nicht sämtliche Stoffe vollständig entfernen. Rückstände von Medikamenten, Mikroplastik, Pflanzenschutzmitteln oder bestimmten Haushaltschemikalien gelangen teilweise in geringen Mengen in Flüsse und Seen und können langfristig und in Summe auch das Grundwasser beeinträchtigen.
Jeder Haushalt kann dazu beitragen, diese Belastung zu verringern:
- Medikamente niemals über Toilette oder Waschbecken entsorgen.
- Reinigungsmittel sparsam und entsprechend der Dosierempfehlung verwenden.
- Umweltfreundliche Reinigungs- und Waschmittel bevorzugen.
- Farben, Lacke, Lösungsmittel oder Chemikalien ausschließlich über die vorgesehenen Sammelstellen entsorgen.
- Mikrofaserprodukte vermeiden. Bei jedem Waschgang von Mikrofaserkleidung gelangt das Material in den Wasserkreislauf und belastet die Umwelt, Tier und Mensch.
- Auf chemische Pflanzenschutzmittel und Unkrautvernichter im Garten verzichten.
- Auch PFAS-Stoffe (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) sollten vermieden werden. Sie finden sich in vielen Alltagsgegenständen wie Backpapier und beschichtetem Verpackungsmaterial, Antihaftbeschichtungen wie PTFE/Teflon (Pfannen, Töpfe), können aber auch in Regenjacken, Skihosen, Wanderbekleidung, Softshell-Jacken und Outdoor-Schuhen, in Kosmetik, wie z.B. wasserfester Mascara, Foundation, Lippenstift, Concealer, Eyeliner und einigen Sonnenschutzprodukten vorhanden sein; teilweise sogar in der Zahnseide – nicht alle Hersteller verwenden den Stoff.
- Bewusstsein schafft Klarheit. Jede und jeder kann über das Kaufverhalten Einfluss nehmen.
Weniger verunreinigtes Schmutzwasser reduziert den Einsatz von Energie und Chemikalien der Kläranlagen zur Reinigung des Schmutzwassers und trägt dazu bei, den natürlichen Wasserkreislauf dauerhaft zu schützen.
Gemeinsam Verantwortung übernehmen
Die sichere Versorgung mit hochwertigem Trinkwasser gehört zu den wichtigsten Aufgaben der kommunalen Daseinsvorsorge. Dafür investieren Wasserversorger wie wir kontinuierlich in Brunnen, Leitungsnetze, Wasserwerke und Speicher, moderne Überwachungssysteme und den nachhaltigen Schutz der Wassergewinnungsgebiete. Bei der Schmutzwasserentsorgung kommen innovatives Wissen und effiziente Technik mit Blick auf die Nachhaltigkeit und den Wasserkreislauf zum Einsatz.
Der wichtigste Hebel aber ist das eigene Verhalten im Umgang mit dem Wasser.
Fazit: Die aktuelle Lage im VE|MO-Gebiet
Das gKU VE|MO überwacht ständig Qualität und Quantität des Trinkwassers im Versorgungsgebiet.
Auch die langfristige Beobachtung der Grundwasserstände gehört zu diesen Aufgaben.
Die gute Nachricht lautet:
Im Versorgungsgebiet des gKU VE München Ost besteht derzeit keine akute Wasserknappheit. Die Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigem Trinkwasser ist zuverlässig und derzeit ohne Einschränkung sichergestellt.
Gleichzeitig zeigen die langjährigen Messreihen jedoch eine Entwicklung, die aufmerksam beobachtet wird. Über einen Beobachtungszeitraum von über 20 Jahren ist ein Rückgang der Grundwasserstände erkennbar. Einzelne niederschlagsreiche Jahre können diesen Trend zwar vorübergehend abschwächen, ändern jedoch nichts daran, dass die Grundwasserpegel auch bei uns eine fallende Tendenz zeigen.
Gerade deshalb gewinnt ein bewusster Umgang mit Wasser zunehmend an Bedeutung.
Jeder eingesparte Liter, jede vermiedene Gewässerbelastung und jede Maßnahme zur Förderung der Versickerung leisten einen Beitrag dazu, unsere wertvollste Ressource auch für kommende Generationen zu erhalten.
Wasser ist die Grundlage unseres Lebens. Sein Schutz beginnt nicht erst im Wasserwerk – sondern bei jedem von uns.