Titelbild: Abwasser

Auf dem Weg zurück klärt sich so manches


Warum muss Abwasser gereinigt werden?
Bäche, Flüsse, Seen und das Grundwasser, welche auch Vorfluter genannt werden, können von Natur aus gewisse Verschmutzungen vermindern und abbauen. Tatsächlich aber reinigt sich das Wasser nicht von selbst, sondern die darin vorhandene Kleinlebewesen (Mikroorganismen) übernehmen diese umfangreiche Aufgabe. Vor allem Bakterien und tierische Einzeller nehmen die organischen Schmutzstoffe als Nahrung auf. Sie gewinnen dadurch Energie für ihre Lebensvorgänge und verwandeln sie dabei zum einen Teil in ihre körpereigene Substanz (die Bakterien wachsen und vermehren sich) und zum anderen Teil in Stoffe wie zum Beispiel Kohlendioxidgas, Wasser und Mineralien. Die Bakterien wiederum werden von größeren tierischen Lebewesen gefressen, bis als größtes Tier im Wasser der Fisch das Ende dieser Nahrungskette beschließt. Alle diese Lebewesen brauchen zu ihrer Existenz, wie auch der Mensch Sauerstoff, welcher im Wasser nur in begrenzter Menge zur Verfügung steht.

Wird z.B. ein Bach durch Abwassereinleitungen belastet, nimmt die Zahl der Bakterien zu, da durch das Abwasser reichlich Nahrung geboten wird. Das hat zur Folge, dass der Sauerstoff verzehrt wird und bis auf den Wert Null sinkt. Die dadurch abgestorbenen Bakterien trüben als Flocken das Wasser, treiben ab und sinken als faulender Schlamm zu Boden. Fische schnappen dann vergeblich nach Luft. Denn ohne Sauerstoff können auch sie nicht überleben. Durch dieses Überbelastung wird der geruchlose Abbau unterbrochen und der Bach verwandelt sich in eine stinkende Kloake.

Wenn auch das Entstehen und Vermehren, sowie das Fressen und Gefressenwerden der Bakterien sehr schnell vor sich geht, so dauert der Abbauvorgang insgesamt in fließenden Gewässern doch viele Stunden bis zu mehreren Tagen und erstreckt sich über viele Kilometer. In stehenden Gewässern oder im Grundwasser, wo sich ähnliche Vorgänge abspielen, dauert dieser Vorgang noch viel länger.

Um trotzdem saubere Gewässer zu behalten, braucht der Mensch und die Natur Kläranlagen. Hier laufen die gleichen Prozesse wie in der Natur ab, nur eben sehr viel schneller und gesteuert vom Menschen.

Nicht nur die organische Verschmutzung wird in einer Kläranlage beseitigt, sondern auch die Nährstoffbelastungen wie Stickstoff und Phosphat.

Alles in allem ist Abwassereinigung wichtig, um unsere Existenz zu sichern. Denn der Mensch und die Natur sind auf sauberes Wasser angewießen.

Mechanische, biologische und chemische Reinigung
Das 1973 in Betrieb genommene Klärwerk ist das Herzstück der Abwasserbeseitigung in der Region. Hier wirkt hochmoderne Technik nach naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten. Die Reinigung erfolgt in drei Prozessphasen: mechanisch, biologisch und chemisch. Die mechanischen Vorgänge nutzen die physikalischen Eigenschaften ungelöster Schwebstoffe zur Trennung: Schwere setzen sich ab, leichte schwimmen an die Oberfläche. Die biologischen Vorgänge wenden die Selbstreinigungskräfte der Natur an. In der chemischen Phase verstärken Zusätze die Absetzbarkeit von Stoffen.

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Die erste Reinigungsphase, die mechanische Vorreinigung, besteht aus drei Elementen: Rechen, Sand- und Fettfang sowie Vorklärbecken. Der Rechen siebt Grob- und Faserstoffe wie Textilien, Plastik, Steine oder Äste aus. Im folgenden Sandfang sinken Feststoffe, die schwerer als Wasser sind wie Sand, Feinkies oder kleine Metallteile zu Boden, Leichtstoffe wie Öl, Fett oder Benzin schwimmen an die Oberfläche. Im Vorklärbecken ist die Fließgeschwindigkeit so gering, dass sich auch feine Schwebstoffe wie Schlamm und Fäkalstoffe absetzen. Abzugseinrichtungen trennen die Schwer- und Leichtstoffe vom Abwasser. Nach dieser Stufe sind die Feststoffe aus dem Abwasser entfernt und seine organische Verschmutzung ist um 25 bis 35 Prozent reduziert.

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In der zweiten Reinigungsphase folgt die biologische Reinigung, in Neufinsing in zwei parallel laufenden Reinigungsstraßen. In den Belebungsbecken nehmen Mikroorganismen die organischen Schmutzstoffe als Nahrung auf und scheiden sie als einfache organische Verbindungen, mineralische Stoffe oder Gase aus. Diese Reaktionen sind der Selbstreinigung natürlicher Gewässer nachempfunden, sie laufen unter optimierten Bedingungen ab. Die Hauptarbeit leisten Bakterien. Von ihnen ernähren sich Einzeller, die von noch höher organisierten Organismen gefressen werden. Diese vernetzte Lebensgemeinschaft mit unterschiedlichen Stoffwechselleistungen und Anforderungen ist Voraussetzung dafür, dass die verschiedenen Abwasserinhaltsstoffe abgebaut werden können. Am Ende der biologischen Reinigung verbleibt eine Restverschmutzung von ein bis zwei Prozent im gereinigten Abwasser. Die biologische Phosphorreduzierung gelingt nur in geringem Umfang, sodass der Phosphor in Neufinsing größtenteils durch chemische Fällung entzogen wird.

In der dritten Reinigungsphase wird im Nachklärbecken der „Belebtschlamm“, dessen Flocken aus Mikroorganismen sowie anorganischen Ein- und Ablagerungen bestehen, vom gereinigten Abwasser getrennt. Es entsteht Klärschlamm, der in Faultürmen behandelt wird. Bei der dort ablaufenden Faulung zersetzen Mikroorganismen im sauerstofffreien Milieu die Inhaltsstoffe. Dieser Prozess reduziert die Klärschlammmenge auf ein Drittel; übrig bleiben Wasser und Klärgas. Das wird im Gasbehälter gesammelt und zur Stromerzeugung genutzt. „Der Einsatz des Klärgases als Energiequelle für zwei Blockheizkraftwerke deckt“, wie Lippacher sagt, „60 Prozent des Energiebedarfs der Kläranlage.“ Als Nebeneffekt entsteht Wärme für die Heizungsanlage. Der angefaulte Schlamm wird nach weiterer Trocknung in den Landschaftsbau abgegeben.

Abgeklärte Sicherheit
Vor den Kläranlagenablauf ist ein Biofilter geschaltet. Das ist ein Sandfilter, der letzte Schwebstoffe zurückhält. Mit ihm können die geforderten Grenzwerte für das gereinigte Abwasser eingehalten werden. Um dies abzusichern, werden alle biologischen und chemischen Vorgänge der Kläranlage im eigenen Labor überwacht. Zusätzlich findet eine regelmäßige amtliche Überwachung statt. Das „Hightec-Unternehmen“ Kläranlage funktioniert nur mit qualifiziertem Fachpersonal. Ver- und Entsorger, Elektriker, Schlosser, Maschinenbauer, Maurer und Chemotechniker sind für unser Wasser im Einsatz.

Interkativer Rundgang durch die Kläranlage Neufinsing
Da Bilder bekanntlich mehr als tausend Worte sagen, haben wir für alle Interessierten einen interaktiven Rundgang durch unsere Kläranlage Neufinsing erstellt.
Hier werden Ihnen die einzelnen Arbeitsschritte welche nötig sind um das Abwasser zu reinigen genauer erklärt.

Interaktiver Rundgang - Klärwerk Neufinsing
(Microsoft PowerPoint oder Open Office benötigt!)

 

 

 

 

 

 

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 8 - 12 Uhr
oder nach Vereinbarung

Störmeldestelle:
0175/2617697